WINKLER | MAIBIER | MÜNSTER | EWA: WUNDE(R) ERDE

Multimediales Projekt für und mit der Elefantinnen-Skulptur EWA für Viola, Harmonium, Percussion, Stimmen, Texte, Zuspiel

Der Elefant verkörpert wie kaum ein anderes Tier den Wunsch der Menschen nach Kraft, Energie, Glück, Klugheit und Fruchtbarkeit. Die Elefantin EWA hat in den Monaten ihres bisherigen Wirkens zahlreiche Bekanntschaften mit unterschiedlichen Gegebenheiten menschlicher Existenz gemacht. Sie fungiert immer wieder als sensibler und neugieriger Kommunikator, welchem es mit scheinbarer Leichtigkeit sofort gelingt, bis in die sensibelsten menschlichen Vorstellungen und Wünsche einzudringen.

Die Musiker und Künstler Frank Maibier, Andreas Winkler und Chris Münster erforschen, zusammen mit EWA, Möglichkeiten und Wege, um hörbar zu machen, in welch hochsensibel-gefährdeten Welt wir uns seit geraumer Zeit mit zunehmender Klarheit befinden. Die Klänge, Geräusche, Sounds und Textfragmente, welche mit ihr entstehen werden, geben Stimmen, Instrumenten (Viola, Harmonium, perkussiven Elementen) und aufgenommenen Geräuschen und Klängen der „Natur/Umgebung/Kultur“ die Möglichkeit, miteinander in außergewöhnliche Dialoge zu treten.

Die optische Präsenz des „Kunsttiers“ fließt zusammen mit den Interaktionen der drei Künstler und nimmt das Publikum mit auf eine Klangreise, bei welcher Sensibles auf Archaisches, Erkennbares auf Abstraktes trifft und eine Ahnung entstehen kann für komplexe Zusammenhänge sowie mikroskopische Details einer ökologisch-künstlerischen Zustandsbeschreibung.

Interpreten:

Andreas Winkler, Violine/Viola/ Soundproduktion | Frank Maibier, Stimme, Text, Soundproduktion | Chris Münster, Soundproduktion, Electronics, Text | Elefantin EWA

Andreas Winkler, geboren 1964 in Mühlhausen. Musikstudium an der HfM „Felix-Mendelssohn-Bartholdy" Leipzig (Violine, Komposition). 1989 Engagement an der Robert-Schumann-Philharmonie; Atelier in Chemnitz, bildkünstlerische Aktivitäten, zahlreiche Ausstellungen, Installationen, Aktionen und Projekte; 1995 Gründung des Projekts „Kanaluntersuchung" mit Frank Maibier, gemeinsame musikalische Arbeit und Klanginstallationen (mehrere CDs), geigerische Tätigkeit u.a. beim Gewandhausorchester, der Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie, dem MDR Sinfonieorchester, zahlreiche Konzerte zeitgenössischer Musik u.a. mit den Dresdner Sinfonikern.

2001 Gründung des Ensemble 01 für Klangwerkkonzerte mit Neuer Musik im alternativprogressiven Kulturraum Voxxx Chemnitz; zahlreiche Konzerte mit Uraufführungen, u.a. von Iris ter Schiphorst, Wu Wei, Dimitri Terzakis, Xu Fengxia, Gordon Monahan, Nicolas Collins, Steffen Schleiermacher u.a.

Seit 2007 pädagogische und kammermusikalische Arbeit an der Städtischen Musikschule Chemnitz, künstlerische Leitung des Kinderorchesters „StreichHölzer“, 2024 Leiter des Jugendsinfonieorchesters der Städtischen Musikschule Chemnitz, 2025 Projekt EWA gemeinsam mit Frank Maibier und Chris Münster

Frank Maibier, geboren 1959 in Werneuchen. Lehre zum Automechaniker, beginnt 1985 mit Musik- und Klangprojekten zu arbeiten, später kommen Experimente mit Papier hinzu. 1989 Abendstudium Malerei und Grafik, FH für Angewandte Kunst Schneeberg, seit 1990 zahlreiche Ausstellungen und experimentelle Projekte, Kurator des Kunstvereins Oscar, Chemnitz, 1999 Stipendium des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Ausstellungen: Chemnitz, Frankfurt a. Main, Köln, Berlin, Dresden, Stockholm u.a.

Chris Münster, geboren. 1984 in Dresden. Studium der Philosophie / Alte Geschichte und neuere und neueste Literaturwissenschaft in Chemnitz, gründete das Lesecafe Odradek und ist seitdem als vielseitiger Veranstalter tätig, seit 2018 tätig als Geschäftsführung der Tage der Jüdischen Kultur Chemnitz; arbeitet seitdem eng zusammen mit der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und verhilft tatkräftig zu mehr Sichtbarkeit und Progressivität im Programm. Kuratiert die erste öffentliche Chanukka in Chemnitz, leitet außerdem die Veranstaltungsreihe für experimentelle Musik EX:IN, sowie das Kassettenlabel IN:EX.

LEAM COLLECTIVE: IMAGINING COMMON FUTURES

Live
Tania Rubio, Keramikflöten, Elektronik
Iván Manzanilla, Perkussion
Sabine Vogel, Flöten, Field Recordings

Video
Fernando Domínguez, Klarinette
Tania Rubio, Gilberto Ramírez, Keramikflöten
Uli Solner, Performance mit Ton und Tonobjekten

Das mexikanisch-deutsche LEAM-Kollektiv vergleicht mittels Klanggestaltung. Erfahrungen im globalen Süden mit denen im globalen Norden. Im Dezember 2025 erarbeitete das Kollektiv eine Performance für das LEAM Festival in Cuernavaca. Ausgangspunkt war ihre Erfahrung, die sie am Coatetelco-See im Bundesstaat Morelos gemacht haben. Coatetelco ist eine autono-me indigene Gemeinde, die sich unter anderem auch um den Coatetelco-See und dessen ökologisches Gleichgewicht kümmert. Das LEAM Kollektiv machte Klangaufnahmen am See und aus diesen und den Eindrücken, die sie gesammelt hatten, entstand das musikalische Material für die Performance in Mexiko. Das Klangmaterial von dort wird nun auf die Klänge vor Ort des Paretzer Feldes treffen. Drei Musiker*- innen des Kollektivs spielen live dazu, während die anderen durch eine Videoeinspielung von Video- und Klangaufnahmen am Coatetelco-See partizipieren. Die Musiker*innen verweben ihre Erfahrungen und Erinnerungen, die sie gemeinsam an, auf und um den See gemacht haben, mit denen, die im Hier und Jetzt entstehen. An einem anderen Ort in einer anderen Zeit.

Neue Klänge entstehen und die Komposition verändert sich, gleicht sich den vorhandenen Gegebenheiten an. Das Projekt fördert eine neue Form von Experiment im 21. Jahrhundert, bei dem die ökologische Weltsicht neue musikalische Wege herausfordert.

Tania Rubio, geboren 1987, Mexiko-Stadt. Sie arbeitet als Komponistin, transdisziplinäre Künstlerin und Fieldrecorderin. Ihre Musik wurde in Mexiko, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, USA, Frankreich, Spanien, England, Deutschland, Schweiz und in Österreich aufgeführt.

Auf der Suche nach Wissensaustausch zwischen Kunst, Wissenschaft, Natur, alten Kulturen und Technologien konzentriert sich Rubio auf transdisziplinäre Ansätze zwischen Klangkunst, Bioakustik und Interkulturalität. Das Studium oraler Kulturen innerhalb ihrer traditionellen Kontexte prägen ihre künstlerische Arbeit maßgeblich. Dazu gehören: Afrikanische Percussion und Flöte (Guinea, Mali, Senegal), das indonesische Gamelan Orchester, die brasilianische Schlagzeugtradition Capoeira Angola, die mexikanische Fandango-Tradition und präkolumbianische Instrumente.

Rubio schloss ihren Bachelor in Komposition an der Universidad Nacional Autónoma de México 2014 mit Auszeichnung ab. Als FONCA-CONACYT-Stipendiatin absolvierte sie ihr Masterstudium in „Musikschaffen, neue Technologien und traditionelle Künste“ an der Universität UNTREF und ihre Spezialisierung auf „Objekt-Theater, Interaktivität und neue Technologien" an der Universidad Nacional de las Artes (Buenos Aires, Argentinien). Ihre Promotion an der Bruckner-Universität Linz über „Biomusik: Von Tierkommunikation zu Komposition“ beendete sie 2026 mit dem Doktor der Philosophie.

Rubio ist Gründerin des Revueltas Sonoras-Projekts, das sich der Verbreitung neuer Musikwerke aus Lateinamerika widmet und ein globales Netzwerk von Künstlern aufbaut. Sie initiierte und organisierte das 1st International eFestival “Imagining Common Futures” Art, Sustainability, and Climate Change” vom 28.11.-3.12.2025 in Cuernavaca, México.

Sabine Vogel, geboren 1971 in München. Sie ist Flötistin, Improvisatorin, Komponistin und Performerin, Umweltklangkünstlerin. Als Flötistin konzentriert sie sich auf Klang und Improvisation bei Nutzung erweiterter Spieltechniken und Elektronik. Sie entwickelt ortsspezifische Arbeiten in der Natur sowie Konzertinstallationen und Performances, die einen Bezug zu ihrer Arbeit im Freien herstellen.

Projekte und Konzerte führen sie durch ganz Europa, Amerika und Australien. Zu ihren aktuellen Projekten gehören: „Recorded Landscapes“, das sich mit Heimat, Landschaft und Identität befasst; „Sonic Pilgrimage“, bei dem sie alte Pfade beschreitet und an verschiedenen Stationen entlang des Weges Aufnahmen macht; „hatifnatten“ mit der Stimmkünstlerin Ute Wassermann sowie „Ornis“, ein audiovisuelles Duo mit der britischen Künstlerin Kathy Hinde. Sie war Teil des „Landscape Quartet“, eines vom AHRC geförderten Umwelt-Klangkunstprojekts mit Bennett Hogg, Matt Sansom und Stefan Österjö. Sie ist Mitglied des Splitter Orchesters, eines 24-köpfigen Improvisationsorchesters mit Sitz in Berlin. Sie hat Lehraufträge an der Universität Potsdam und an der Hochschule für Musik Rostock.

Sabine Vogel, die in Potsdam und Im Havelland lebt, gründete 2023 die Picknickkonzerte Paretzer Field Music, die seitdem jährlich mit 3-4 Konzerten zwischen Mai und September stattfinden

BARBLINA MEIERHANS: LET'S SIT DOWN AND ENJOY OURSELVES

Im Jahr 1820 meldete Pater Dunker ein Patent für seine Hörmaschine mit einem biegbaren Ohr an. Ich versuche, mein Ohr zu beugen, drehe meinen Kopf und sehe jemanden dort sitzen und sprechen. Er spricht, und niemand hört zu; oder er spricht und hört sich selbst zu; oder er spricht nicht und bewegt sich, als ob er sprechen würde; und ich beobachte ihn dabei. Ich höre ihn nicht, er sieht mich nicht.

Es scheint, als stünden Hören und Tonerzeugung in ständiger Wechselwirkung, fast ohne Verzögerung. Normalerweise spielt ein Musiker (in diesem Fall bläst und schlägt er), das Instrument erklingt, die Umgebung schwingt mit, und wir wiederum hören das zurückkommende Echo – das ist uns vertraut. Doch was, wenn auch das Gegenteil davon zutrifft? Sind wir gleichzeitig Sender, Empfänger und Instrument? Die Beziehung ist kompakt: Gefangen in der Resonanz bleibt das Instrument der Vermittler. Das Instrument – ein Objekt? Ein Körper.

„Let’s sit down and enjoy ourselves“ ist sowohl eine Installation als auch ein Kunstwerk, eine experimentelle Komposition für Hörmaschinen, Blechblasinstrumente, Schlaginstrumente und vier Musiker im Freien.

Barblina Meierhans schafft Werke in den Bereichen zeitgenössische Musik, Musiktheater und Klangkunst. Sie studierte Komposition an der Hochschule für Musik Dresden, Viola, experimentelles Musiktheater und Transdisziplinarität an der Hochschule der Künste Bern sowie Violine an der Zürcher Hochschule der Künste. In ihrer Kompositionsweise wurde sie von den Kompositionsmethoden von Prof. Mark Andre, Prof. Manos Tsangaris und Georges Aperghis inspiriert. Ihre Werke wurden vor allem im deutschsprachigen Europa aufgeführt, gelegentlich auch in Argentinien, Dänemark, Ägypten, Frankreich, Griechenland, Italien, Indien, den Niederlanden, Polen, Serbien, Spanien, Südkorea und Großbritannien und waren unter anderem Teil des Lucerne Festivals, des Spor Festivals, Kammer Klang London, der Münchner Biennale, Ultraschall Berlin, den Wittener Tagen für neue Kammermusik, dem Huddersfield Contemporary Music Festival, dem Festival Archipel, dem Festival Internacional de Música Tacec, der New Talents Biennale Köln und dem Tonlagen-Festival Dresden.

Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter das Villa-Serpentara-Stipendium der Akademie der Künste Berlin, das Werkjahr „Komposition“ der Stadt Zürich – Kulturstadt, den Förderpreis für junge Komponisten und Musikwissenschaftler dkv Leipzig, Residenzen in Bangalore und Neu-Delhi durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, eine Künstlerresidenz an der Cité internationale des arts in Paris, eine Atelierresidenz in Rom durch den Kanton St. Gallen, eine Künstlerresidenz am NAIRS Contemporary Art Center sowie das Trächsel-Stipendium BEST. Seit einiger Zeit engagiert sich Barblina Meierhans auf verschiedenen Ebenen in den Bereichen Lehre und künstlerische Forschung und leitet Workshops.

APPARAT BRASS ist ein in Berlin ansässiges Blechbläserensemble, das sich der zeitgenössischen Musik verschrieben hat. Ausgehend von einem Kernquartett arbeitet das Ensemble mit Komponisten, Klangkünstlern, Improvisatoren und einer Gruppe einzigartiger Berliner Blechbläser zusammen, um Werke unterschiedlicher Größe und Form zu präsentieren. Nachdem das Ensemble bereits an Orten wie der Philharmonie Luxemburg und der Berliner Akademie der Künste aufgetreten war, trat es 2024 bei einer Reihe von Festivals auf, darunter das Ultraschall Festival Berlin, das Eclat Festival Stuttgart und das Klang Festival Kopenhagen, und schloss zudem eine Reihe von acht Konzerten im Berliner KM28 ab. Im Rahmen des EnsembleKollektiv Berlin trat das Ensemble beim Musikfest und bei der Maerzmusik der Berliner Festspiele auf.

mit Samuel Stoll (Horn), Mathilde Conley (Trompete), Weston Olencki (Posaune), Max Murray (Tuba)
als Gast: Michael Weilacher (Schlagzeug)

ARNE GIESHOFF: FOR YOU ARE SOIL

for you are soil entstand ursprünglich als musikalisches Happening für Chor, Bläser und Elektronik im Rahmen einer Produktion von Haydns Schöpfung. Ein hinter dem Theater angelegter Komposthaufen wurde dabei zum Echoraum – zu einem Ort, an dem Werden und Vergehen, Verfall und Erneuerung zugleich spürbar werden. Für Klanglandschaften entsteht nun eine eigene Gartenversion für Lindeneck 10 und das Blechbläserquartett Apparat. Im Zentrum stehen rund 60 Fassungen des ersten Akkords aus der Schöpfung – von frühen Schallplatten bis zu heutigen Digitalaufnahmen. Über Lautsprecher hörbar gemacht, schichten sie sich übereinander und zersetzen sich zu einer neuen akustischen Kompostsubstanz.

Arne Gieshoff (*1988) ist Komponist von akustischer und elektronischer Musik sowie von Theater- und partizipativen Werken.

„Neben Werken für den Konzertsaal haben mich meine kompositorischen Intuitionen in den letzten Jahren zunehmend in den Bereich ortsspezifischer und musiktheatralischer Werke geführt. In der Kombination aus ‚gefundenen Klangumgebungen/Objekten‘, Archivmaterial und musikalischen Transformationen versuche ich – wie ein Archäologe – Schichten von Zeit und Bedeutung freizulegen, zu hinterfragen und gemeinsam zu erleben.“

Gieshoff ist Dozent für Komposition an der Akademie für Tonkunst Darmstadt. Er studierte am Royal College of Music (u. a. bei J. Cole, K. Hesketh, S. Holt) und war Mitbegründer des in London ansässigen Explore Ensembles. Von 2024 bis 2025 war er Stipendiat im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia.